Im Angesicht der (welt-) politischen Lage, in Erinnerung ganz unpolitischer Tiefschläge und Sternstunden im Jahr 2016 fällt es schwer einen Jahresrückblick auf ein spezielles Fachthema zu konzentrieren.  Aber es  lohnt sich: Ist doch die Ernährung ein guter und gar nicht so kleiner Ansatz das Leben von Menschen und die Welt ein Stück besser zu machen. 2016 könnte das Jahr gewesen sein, in dem der Durchbruch der kommunalen Ernährungspolitik in Deutschland begonnen hat.

Die Zivilgesellschaft hat mit den Ernährungsräten „ihr“ Instrument gefunden, um Ernährungspolitik in den Städten zu kommunizieren. In Berlin und Köln sind Anfang 2016 aus bürgerschaftlicher Initiative Räte entstanden. Das Interesse in vielen, vielen anderen Städte besonders von Seiten der Zivilgesellschaft ist groß: Weitere Ernährungsräte stehen in den Startlöchern.

Nächster Schritt: Perspektive Ernährungssystem

Auch für die Kommunalpolitik und -verwaltung hat das Thema Ernährung in 2016 an Bedeutung gewonnen. Viele Städte sind auf der Suche nach „ihrem“ Ansatz Ernährung auf der lokalen Ebene zu gestalten.  Dabei geht es oft noch um einzelne Themen wie Regional, Bio, Fair Trade, urbane Landwirtschaft oder Schulverpflegung. Ein ganzheitlicherer Ansatz, die „Perspektive Ernährungssystem“, wird hier der nächste evolutionäre Schritt sein. Ende 2016 hat es diese Perspektive immerhin schon in den Koalitionsvertrag der Landesregierung von Berlin geschafft.

Auf Bundesebene begannen in verschiedenen Parteien Diskussionen, ob eine Ernährungspolitik neben der reinen Landwirtschaftspolitik den gesamten Themenbereich (inkl. Landwirtschaft) weiter voranbringen könnte. In der Wissenschaft sind weitere Forschungsprojekte angelaufen, die sich über die urbane Landwirtschaft hinaus mit lokalen Ernährungsthemen befassen.

Resümieren zu können, dass die Saat des Wandels zu keimen beginnt, ist doch kein schlechtes Fazit für ein Jahr, oder?

GLS Gründertalk im Colabor (Bild Simon Veith)
GLS Gründertalk im Colabor (Bild: Simon Veith)

Speiseräume unterwegs

Die langsame Etablierung von Ernährungsthemen in neuen Zusammenhängen, wird für die Speiseräume besonders bei den vielen besuchten Veranstaltungen deutlich. 2016 begann für die Speiseräume mit einer Einladung des Landwirtschaftsministeriums zur Auftaktveranstaltung des Global Forum for Food and Agriculture 2016 und der Bitte zum Thema „Wie ernähren wir die Städte?“ mitzudiskutieren. Genauso spannend ging es weiter bei der Bundestagsfraktion der Grünen, wo Landwirtschafts- und Verbraucherpolitiker neue Möglichkeiten der Ernährungspolitik ausloteten. Im Herbst beschäftigte sich das Kölner Colabor in einer Veranstaltungsreihe mit Food-Start-Ups: Die Speiseräume waren hier zum Thema Lobbyarbeit gefragt. Neu waren 2016 das Interesse von Universitäten an den Speiseräume-Themen und einige Vorträge in Hörsälen. Spannend war auch ein Ausflug in den Städtebau: Als Teilnehmer konnten die Speiseräume Ernährungsthemen in einen städtebaulichen Workshop der IBA Heidelberg einbringen.

Neue Akteure (neben den weiterhin aktiven NGOs), neue Themen und neue Rahmen – auch das sind gute Zeichen für einen Innovationsprozess der in Gang kommt.

Jahresrückblick: Speiseräume im Netz

Am Anfang von Speiseräume war ein Blog – und die Suche nach einer Möglichkeit die Idee der lokalen Ernährungspolitik in Deutschland bekannter zu machen, deren  Notwendigkeit und Möglichkeiten zu verdeutlichen. Nach 7 Jahren ist Speiseräume viel mehr – aber der Blog bleibt das wichtige Fundament. Das Speiseräume-Piwik verrät: Mit knapp 22.000 Besuchen (uniqe visitors) hat speiseraeume.de 2016 erstmals die 20.000-Marke übersprungen. Ungefähr die Hälfte der Besuche kamen über Google, viele Besucher fanden den Weg zu Speiseräume aber auch über Facebook, Twitter und Wikipedia (in dieser Reihenfolge).

Die meistbesuchten Seiten waren „Urbane Landwirtschaft: Was ist das?“, „Aquaponik: Fischzucht und Gemüsebau auf den altindustriellen Flächen des Ruhrgebiets“ und „Die Idee von Speiseräume: Stadt / Ernährung“. Die Suchmaschine lieben die älteren grundsätzlicheren Artikel. Neue Artikel auf Speiseräume drehten sich – und das war neu in 2016 – um die Entwicklungen in Deutschland und weniger um den Ideen-Import. Neu ist auch die Seite Ernährungsrat & Co, welche Infos zu Ernährungsräten kompakt zusammenfasst.

Zum Nachlesen in gedruckter Form gab es die Speiseräume 2016 im kritischen Agrarbericht (kostenloser Download!) und im Sammelband „Urbane Wege zur nachhaltigen Lebensmittelversorgung: Potentiale und Instrumente kommunaler Ernährungspolitik“. Zum Nachören gibt es einen Speiseräume-Podcast bei „Yes! We Can Farm“.

Die Speiseräume freuen sich auf die nächsten 12 Monate, auf die Projekte die angedacht sind und die vielen Ideen, die noch entstehen werden. Allen Speiseräume-Lesern ein glückliches, erfolgreiches und leckeres 2017!