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Lebensmittel-Monopoly: Unsere Lebensgrundlage in der Hand weniger Konzerne

by Philipp Stierand on 23. Februar 2012

Rund 15.000 Artikel bietet ein durchschnittlicher Supermarkt. Auf den Feldern hat Vielfalt dagegen keine Chance: Im 20. Jahrhundert sind Dreiviertel aller Nutzpflanzen ausgerottet worden. Alleine auf den Philippinen gab es in den 1960er Jahren über 3000 verschiedene Reissorten, heute sind es 2. Hinter den Kulissen unseres Ernährungssystems herrscht erschreckende Einfalt und Machtkonzentration.
Die wenige Pflanzensorten, die noch angebaut werden, kommen nämlich zusätzlich noch von wenigen Firmen: Die drei größten Saatgutproduzenten haben beim Saatgut für Zuckerrüben 90% Marktanteil, bei Mais 57% und bei Sojabohnen 55%. Damit das Paket rund wird, beherrschen die gleichen Firmen natürlich auch den Pestizid-Markt. Auch in anderen Teilen der Produktionskette ist die Konzentration hoch: Vier Handelskonzerne teilen 75% des Soja- und Getreidehandels unter sich auf. Über Joint-Ventures arbeiten die Getreidehändler eng mit den Saatgut- und Pestizid Produzenten zusammen.

In der Tierzucht sieht es nicht besser aus: Jungküken für die Mast werden weltweit noch von 4 Firmen produziert, bei Legehennen sind es noch 3 Firmen. Ein Zuchthahn kann bis zu 28 Millionen Nachkommen haben.
Diese Beispiele kommen aus der Broschüre „Agropoly: Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion“, welche die Konzentration im gesamten Ernährungssystem vom Saatgut bis zum Handel anschaulich darstellt. Herausgeber sind die schweizerische „Erklärung von Bern“ und das deutsche „Forum Entwicklung und Umwelt“.
Nach dem Lesen versteht man plötzlich die Freude der Forscher, wenn sie es schaffen eine Blume aus einem 30.000 Jahre alten Samen zum Blühen zu bringen. Wir könnten die Diversität der Steinzeit in Zukunft noch dringend gebrauchen!

Titelbild

Wir haben es satt, CC by Daniel Stark

Broschüre zum Download

Agropoly: Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

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Philipp Stierand Februar 23, 2012 um 20:27

Ganz so pessimistisch würde ich das nicht sehen! Bewusst einkaufen ist sicher der eine Weg, so kann man auf Bio (-diversität) achten und nach samenfesten Gemüsesorten fragen. Aber wir sind zum Glück nicht nur Konsumenten sondern auch Bürger mit politischen Möglichkeiten, die weit über die Auswahl von Produkten hinausgehen. Gruß, Philipp Stierand

Thomas Sixt Februar 23, 2012 um 09:42

Sehr interessanter Beitrag, die Frage ist, was können oder wollen wir dagegen tun. Weder gibt es Möglichkeiten darauf Einfluss zu nehmen noch kann Otto- Normalverbraucher mit seinem Handeln viel zu einem positiven anderen Beitragen. Wir müssten alle unsere Ausgaben für Essen und Zutaten um das zwei bis dreifache erhöhen, dann könnten wir Bio Qualität vom Bauern kaufen. Der Aufwand dazu ist zusätzlich immens, mein Freund bringt mir wöchentlich Eier aus dem Burgenland mit, diese schmecken besser, sind größer und die Hühner leben tatsächlich glücklich. Was aber tun bei den anderen Nahrungsmitteln? Verbraucher wählt einfach lieber die glänzende, EU getunte Aubergine anstatt eine einfache, natürliche zu genießen. Dazu würde mich Deine Meinung interessieren. Gruß Thomas

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