Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Ökologie & Landbau” widmet sich dem Thema “Stadt und Land”. Schwerpunkt sind die urbane Landwirtschaft und die Stadternährungsplanung.

Im Leitartikel fragt Heidrun Moschitz ob die urbane Landwirtschaft zu einer neuen Beziehung zwischen Stadt und Land führen kann. Und kann sie sogar unser problembeladenes Ernährungssystem verändern? Das kann sie – wenn Verwaltung und Politik auf die neuen Entwicklungen reagieren und die urbane Landwirtschaft aktiv mitgestalten.

“Urbane Agrikultur kann somit den Dialog zwischen Produktion und Gesellschaft wieder befeuern. Sie ist nicht nureine Spielwiese kleinerer kreativer Kreise der Stadtbevölkerung, sondern bietet auch den landwirtschaftlichen Betrieben im stadtnahen Umland viele Gestaltungsmöglichkeiten. Spannend wird urbane Agrikultur in diesem Zusammenhang vor allem dort, wo traditionell organisierte Landwirtschaftsbetriebe und neue Formen der Agrikultur Partnerschaften eingehen und die in modernen Zeiten aufgebauten Grenzen zwischen Stadt und Land, Produktion und Konsum überschreiten.”
Unter der schönen Überschrift “Raumplaner – Verbündete für eine Ernährungswende” findet sich in der “Ökologie & Landbau” ein Speiseräume-Interview.  Philipp Stierand beantwortet Fragen zu den Möglichkeiten von Stadternährungsplanung, kommunaler Ernährungspolitik und dem Verhältnis von ökologischen Landbau zur neuen Ernährungsbewegung.

Der Brexit erfordert in Großbritannien einen Neustart in der Agrarpolitik: von der Gmeinsamen europäischen Agrarpolitik zur nationalen Landwirtschaftpolitik. Ein breites Bündnis von Organisationen möchten diesen Neuanfang für eine demokratischere, nachhaltigere Politik nutzen und hat jetzt die Grundzüge einer People’s Food Policy veröffentlicht.

“To see real and significant shifts in the way our food system operates, we need to drastically change the way that food governance takes place. A People’s Food Policy aims to map out what an integrated food policy would look like if people were put at the heart of decision-making. A growing group of people from different civil society organisations, unions and community groups working across the food system have come together to develop the ideas and positions in this document.
Brexit represents an opportunity to create a food policy that is visionary, progressive and guarantees that everyone in this country is able to realise, without restriction, our right to food. Over the coming years, all of our economic and agricultural policies that were previously subject to European Union (EU) law will need to be revisited and rewritten. This is an enormous task and there are calls now from all corners of our food system to develop food policies and governance structures that are coherent, complementary and protect our food system and food cultures.”

 

Als Abschluss des ERASMUS + European Projektes Urban Green Train findet Anfang Juni eine zweitägige Veranstaltung in Paris statt.  Das Projekt hatte sich zum Ziel gesetzt wegweisende, unternehmensorientierte Initiativen in der urbanen Landwirtschaft zu fördern. Dazu wurde unter anderem ein Bildungsprogramm für landwirtschaftliche Start-ups erarbeitet.

Diese Veranstaltung richtet sich an Studierende, Wissenschaftler, Kommunen und alle sozioökonomischen Akteure in der städtischen Landwirtschaft.

Konferenz “Entrepreneurship and urban agriculture: What skills to succeed in urban agriculture?” 10. und 12. Juli 2017 in Paris. Infos bei RUAF.

 

Das Sustainable-Food-Cities-Netzwerk gibt es seit 2013. Damals gründeten Organisationen aus 25 Städten das Netzwerk, heute sind es Organisationen aus 47 Städten und Bezirken. Rund 20 Millionen Menschen wohnen in den vertretenen Gebieten, das sind rund 30% der britischen Bevölkerung. Anfang Juni fand die diesjährige Jahreskonferenz des Netzwerks statt. Nachdem die 150 Teilnehmer das Netzwerkt-Treffen verlassen hatten, resümierte Ben Reynolds begeistert:

“There was a shift at this year’s event. A network shares ideas and information, whereas a movement creates change. We heard about how this partnership approach has underpinned impressive work on issues such as sustainable fish, with caterers serving 700million meals across the UK now committed to only sourcing from sustainable stocks, as well as pioneering work on tackling child holiday hunger, food waste, childhood obesity and food poverty.”

Die Präsentationen und Materialien des Treffens können auf der Website des Sustainable-Food-Cities-Netzwerks heruntergeladen werden.

Das Umweltbundesamt hat sich in einer Studie mit den Kosten für die Reinigung des Trinkwassers vom Nitrat beschäftigt. Resultat: Es ist teuer und kann noch teurer werden. Aktuell wird der Grenzwert von 50 mg/l Nitrat an 18% der Messstellen überschritten, in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten überschreiten sogar 28% der Messstellen den Grenzwert.

Mit einer Reihe von Maßnahmen versuchen die Wasserversorger diese Belastung für das Trinkwasser zu senken. Zum Teil kooperieren die Wasserversorger mit der Landwirtschaft, so sollen durch Beratung oder Prämienzahlungen die Belastungen gesenkt werden. Außerdem wird über Brunnenverlagerung, Brunnenvertiefung und dem Verschneiden von Rohwässern versucht die Belastung abzusenken. Das Umweltbundesamt hat in einer Kostenrechnung die Zusatzkosten durch die Nitratbelastung für die Wasserversorger abgeschätzt. Hier wurden freiwillige präventive Maßnahmen, Flächenpachtung und technische Aufbereitung je nach Stärke der Belastung zu Grunde gelegt. Das Umweltbundesamt rechnet mit zusätzlichen Kosten für Trinkwasserbereitstellung zwischen 580 und 767 Millionen Euro pro Jahr (je nach Nitrat-Zielwert).

Zusätzlich hat das Umweltbundesamt die Kosten für den Zeitpunkt ausgerechnet, an dem die technische Aufbereitung die letzte Möglichkeit zur Nitratabsenkung bleibt.  Die Kosten für das Trinkwasser könnten in solchen Regionen um 32 bis 45 % steigen (um bis zu 134 Euro für einen 4-Personen-Haushalt).

Umweltbundesamt (2017): Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung. Berlin.

Ein Seminar des Konzeptwerks Neue Ökonomie möchte den Entwicklungen der Ernährungswende nachspüren, konkrete Orte kennenlernen und mit den beteiligten Menschen ins Gespräch kommen. Ausgangspunkt dieser Erkundungen ist eine Streuobstwiese der Kooperative Rote Beete.

“Im Seminar nehmen wir Landwirtschaft als globales Entwicklungsthema in den Blick und gehen der Frage nach, wie eine sozial-ökologische Transformation in der Landwirtschaft vorangebracht werden kann. Zudem lernen wir einen Hof solidarischer Landwirtschaft kennen und beschäftigen uns in Theorie und Praxis mit den dahinter liegenden Ideen. Wir zelten gemeinsam auf der Apfelwiese der Gemüsekooperative und haben neben dem Inhaltlichen genügend Zeit, den Sommer zu genießen.”

Das Seminar findet vom 05.08. bis 11.08.2017 in Sehlis bei Leipzig statt. Anmeldungen bis zum 30.06. über seminare@knoe.org. Weitere Infos beim Konzeptwerk Neue Ökonomie.

Die WDR-Dokumentation “Von Müsli-Helden zu Firmenbossen” porträtiert Bio-Gründer aus den Anfängen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft in den 1970er und 80er und zeichnet ihren Erfolg nach.

“Der Autor stellt einige heute sehr erfolgreiche Unternehmer vor, die in den 70er- und 80er-Jahren in Nordrhein-Westfalen die ersten Bioläden oder -Bäckereien gründeten und damals als Spinner verspottet worden sind. Einer von ihnen ist Bernd Droshin, der damals Musik machte und zur Kölner Sponti- und Hausbesetzer-Szene gehörte, und heute in Eifel ein Tofu-Unternehmen mit 300 Mitarbeitern führt.”

Die 45-minütige Doku ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

Das Netzwerks Ernährungskultur und die Schweisfurth Stiftung veranstalten vom 09. bis 11. November 2017 die Tagung „Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“ in Fulda.

“Veränderte Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert (wie globalisierter Handel von Lebens- und Futtermitteln, Urbanisierung oder Auswirkungen des Klimawandels) und neue Ansprüche der Konsument/innen in den westlichen Industrieländern (wie Nachhaltigkeit und Fairness) führen dazu, dass sich die städtische Lebensmittelversorgung grundlegend wandelt und die Ernährungspolitik in die Stadt „zurückkehrt“ (Müller 2007, Stierand 2014). Internationale Initiativen appellieren an Kommunen und andere Stakeholder, die integrative Funktion des Themas Ernährung als Treiber für Stadtentwicklungsziele – wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Gesundheit, Raumplanung und Bildung – zu nutzen, Projekte im Bereich der lokalen Lebensmittelproduktion zu fördern und urban-regionale Ernährungsstrategien zu entwickeln (Milan Urban Food Policy Pact; „Call for global action on city-region food systems” 2014, u.a. durch FAO, ICLEI und ILO; Seoul Declaration 2015). Charakteristisch für die neuen Ansätze der Urban Food Governance ist die Integration verschiedener Politikbereiche und -ziele, die direkt oder indirekt mit dem Thema Ernährung verbunden sind. Der nachhaltigen Gestaltung des urbanen Ernährungssystems kommt eine Schlüsselrolle in der kommunalen Nachhaltigkeits-Governance zu.”

Paper können bis zum 15. Juni 2017 eingereicht werden.

The Edible City” heißt es diesen Sommer an der TU Berlin. Unter anderem Katrin Bohn, André Viljoen und Beatrice Walthall werden mit den Studenten auf die Suche nach den Zusammenhängen von Stadtgestalt und Ernährung gehen.

“With a focus on urban space and urban space production, this summer course explores how food – in all is aspects from producing to marketing to selling to composting – could become a better-integrated part of our cities. Focus of the course are the effects and consequences that our current and future food systems, and especially urban food production, may have on the shape, use and quality of open urban space. When exploring this, we use the European city as a reference working with Berlin as our case study example”

Anmeldungen sind bis zum 12. Mai bei der TU möglich.

Amsterdam’s Urban Food

Die Universität von Amsterdam bietet ein Sommerprogramm mit dem Titel “The Urban Food Experience: Exploring Food and the City” an.

“Food and cities are intrinsically connected. Yet it is precisely in cities that we are less and less aware of this, as the production and processing of most of our food now takes place far away from where we live, out of sight and mind. The consequences of this global food system, however, become increasingly visible to us as city dwellers, especially in the Global South and especially in the poorer parts of our cities.”

Der Kurs findet vom 10. bis 28. Juli in Amsterdam statt und trotz der abgelaufenen Frist scheint es noch Restplätze zu geben.

Die österreichische Plattform “Wir haben es satt” veranstaltet vom 16. bis 10. Mai 2017 die Schwerpunktwoche “Gutes Essen für alle!” Verschiedene Veranstaltungen stellen die Agrarpolitik in den Mittelpunkt.

Während der abschließenden Tagung am Samstag, den 20. Mai (BOKU Wien) gibt es ein Treffen von Interessierten für einen Ernährungsrat. Ziel ist die Gründung eines solchen Rates in Wien.

“Um ein zukunftsfähiges Ernährungssystem zu fördern, haben sich in vielen Städten Ernährungsräte gebildet. Auch in Wien ist es an der Zeit, diesen Schritt zu gehen. Ein Ernährungsrat gestaltet als zivilgesellschaftlich organisiertes Gremium die Ernährungspolitik auf kommunaler Ebene mit. Es wird vom bisherigen Tun und den Zielen in naher und ferner Zukunft berichtet. Es braucht engagierte Menschen, um Ziele weiterzuentwickeln und die Umsetzung aktiv zu unterstützen.”

Nähere Informationen finden sich auf der Website. Anmeldung für das Ernährungsratstreffen über ernaehrungsrat-wien@posteo.at

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