In Japan steht mit einer Fläche von 2300 Quadratmetern die größte Indoorfarm der Welt, schreibt der WebUrbanist.  Unter LED-Beleuchtung wird hier in langen Hochregalreihen Urban Farming betrieben.

„The statistics for this incredibly successful indoor farming endeavor in Japan are staggering: 25,000 square feet producing 10,000 heads of lettuce per day (100 times more per square foot than traditional methods) with 40% less power, 80% less food waste and 99% less water usage than outdoor fields.”

Eine lesenswerte Kritik an solchen Projekten findet sich hier, Vorträge vom „Greenroofs & Walls of the World Virtual Summit” zu verschiedenen Urban-Farming-Projekten an und auf Gebäuden zeigt das 2. Video dieser Meldung.

Der Sachverständigenart für Umweltfragen hat ein Sondergutachten mit Lösungstrategien „für ein drängendes Umweltproblem” veröffentlicht.

„Der zu hohe Eintrag von reaktiven Stickstoffverbindungen in die Umwelt gefährdet die menschliche Gesundheit, die Gewässer, die Biodiversität und das Klima.”

Der Rat bezeichnet die zu hohen Einträge als eines der großen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit. Die grrößte Stickstoffquelle ist die Landwirtschaft, eine weitere der Straßenverkehr. „Landwirtschaft im Güllewahn” titelt die Wochenzeitung Zeit und fasst das Gutachten wie folgt zusammen:

„Das Trinkwasser ist nitratverseucht, die Luft voller Feinstaub: Deutschland hat ein Stickstoffproblem. Um es zu lösen, schlagen Experten vor, vieles teurer zu machen.”

Das Sondergutachten empfiehlt u.a. eine Stickstoffstrategie für Deutschland, eine Nachschärfung des bestehende ordnungsrechtliche Instrumentarium und eien Veränderung des Lebensmittelkonsums.

„Konsummuster sind schwer zu beeinflussen. Um dennoch einen schrittweisen Wandel zu erreichen,empfiehlt der SRU eine Kombination von zielgruppenspezifischer Information und ökonomischen Instrumenten, die dafür sorgen, dass die Umweltkosten sich stärker im Preis von tierischen Produkten spiegeln. Beispielsweise sollte der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Fleisch, Eier und Milchprodukte abgeschafft werden.”

Dem naturnahen Gärtnern in der Stadt widmet sich ein aktuelles Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die BfN-Studie „Urbane Gärten für Mensch und Natur” fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft und Praxis in Kleingärten zusammen und gibt zudem Handlungsempfehlungen für Kommunen und Verbände.

Das Gutachten widmet sich nicht nur den Funktionen von Kleingärten. Es beschreibt auch die verschiedenen Formen städtischer Gartennutzung und stellt am Beispiel Berlin Möglichkeiten einer kommunalen Kleingartenkonzeption vor. Außerdem befasst es sich intensiv mit der naturnahen Bewirtschaftung sowie Gartengestaltung und gibt Handlungsempfehlungen für Akteurinnen und Akteure in Kommunen und Verbänden.

„Nur wenn Gärten entsprechend angelegt und gestaltet sind, etwa indem sie Nischen und Rückzugsräume enthalten, können sie einen wichtigen und positiven Beitrag für die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt leisten”, erklärte Beate Jessel. „Mit dem Gutachten zeigen wir Schritte auf, wie städtische Gärten als Orte biologischer Vielfalt weiter entwickelt werden können.”

Heute wurde der neue Bodenatlas u.a. von der Böll-Stiftung und dem BUND veröffentlicht. Der Bodenatlas liefert Daten und Fakten über die Bedeutung und den Zustand von Land, Böden und Ackerflächen in Deutschland, Europa und weltweit. In zahlreichen Grafiken und Textbeiträgen bietet der Atlas einen aktuellen Einblick in den Zustand und die Gefährdung der Böden, von denen wir leben.

Urbane Landwirtschaft in Havanna
Urbane Landwirtschaft in Havanna

Zur urbanen Landwirtschaft schreibt der Atlas:

„Grünflächen in den Städten und um sie herum sind zu­dem erstaunlich wichtig für die Produktion von Lebensmitteln. In manchen Ländern sind bis zu 80 Prozent der ärmsten Einwohner mit „städtischem Ackerbau“ befasst. Sie pflanzen Obst und Gemüse und halten Hühner und Ziegen. Auf diese Weise haben sie frisches, gesundes Essen, das sie sich sonst nicht leisten könnten. Aber diese Stadtbauern klagen auch, dass sie nicht genug Land haben, die Böden karg sind und die Versorgung mit Wasser nicht zuverlässig funktioniert. Dennoch wird in Städten eine beträchtliche Menge an Nahrungsmitteln produziert. In Afrika südlich der Sahara haben 40 Prozent aller Haushalte Gärten, in Nepal sind es 57, in Nicaragua 68 und in Vietnam 69 Prozent. Die Gärten müssen gar nicht groß sein. Oft ziehen Menschen ihre Pflanzen auch in Töpfen auf dem Balkon oder Hausdach. Durch die rasch fortschreitende Urbanisierung werden Grünflächen ohnehin knapp. Wiesen werden zu Wohnflächen, Gärten zu Garagen.”

Oder wie Elisabeth Meyer-Renschausen vor ein paar Tagen in der taz zum Thema Boden und urbane Landwirtschaft schrieb:

„Denn wer Vielfalt sieht und schmeckt, kann Vielfalt auch denken.”

Die Cornell Universität hat Boden- und Gemüseproben aus urbanen Gärten in New York City und Buffalo untersucht. In einigen Böden (besonders in NYC) wurden dabei erhöhte Werte gefunden. Beim Gemüse kommt die Studie zu folgendem Schluss:

„Overall, the study found that levels of lead, cadmium and barium in urban garden produce were generally below health-based guidance values.“

Besonders in den Bleiwerten von Wurzelgemüsen wurden aber Überschreitungen (europäischer) Richtwerte festgestellt. Den Gärtnern werden 10 Tipps an die Hand gegeben um mögliche Belastungen zu minimieren:

  1. „Use clean soil and compost
  2. Use raised beds
  3. Avoid treated wood
  4. Maintain soil nutrients and pH
  5. Cover or mulch soil
  6. Keep an eye on children
  7. Leave the soil in the garden
  8. Wash your hands
  9. Wash and/or peel produce
  10. Put a barrier under play areas”

Studie Kurzfassung
What Gardeners Can Do

Die Berliner CSA Speisegut wundert sich über die Aufmerksamkeit und die Fördergelder die Indoorfaming- und Aquaponik-Projekte bekommen. Die Bauern fragen aus Sicht der ökologischen Landwirtschaft: Was soll an Landwirtschaft ohne Sonnenlicht und Boden ökologisch oder sinnvoll sein?

„Qualität hat etwas mit Sonne und Licht zu tun. Die  nicht zu erreichen ist mit LED und Co.  Haben wir nicht in der Praxis gelernt, dass Geschmack und haltbare Qualitäten nur durch direkte Sonneneinstrahlung möglich ist? Licht und Sonne mit kosmischen Kräften zu tun hat und der Frucht Struktur geben? Der Boden gehört genauso zur Pflanze und ist Lebensgrundlage. Er speichert bis zu 20 essenzielle Elemente wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff Stickstoff und Schwefel. Dies sind die Grundbausteine der Pflanze.”

An der Universität of Kentucky sammeln Freiwillige übrig gebliebenes Essen aus Cafeterien und Mensen ein und bereiten es für Tafeln und Suppenküchen auf.

„The new initiative is part of a nationwide program called the Campus Kitchen.  Like the recently opened Big Blue Pantry, it is an organization with aspirations to bring awareness to issues surrounding hunger, albeit in a different way. The focus of the kitchen is on helping people on and off campus in the greater Lexington community while also trying to keep food  from going to waste.”

Der National Geographic stellt in interkativen Inforgraphiken anschaulich die Ernährungsweisen verschiedener Länder im Zeitverlauf dar. In eigenen Graphiken wird jeweils der Fleischverbrauch dargestellt. Sehr anschaulich gemacht – aber die Schlußfolgerungen zieht man wohl doch besser selbst:

„The meat-heavy German diet reflects its age-old of sausage (würst) making.”

Jaja, die alte Last mit dem Würst.

In einer Biorama-Glosse diskutiert Jürgen Schmücking den Begriff Regionalität und stellt gleich in der Überschrift fest: „Regional ist das neue Bio: Ein Spruch, der an Dämlichkeit kaum zu überbieten ist.”  Widersprechen sich Logig und Logistik des Regionalen?

„Darum geht es aber nicht. »Der Geschmack der Heimat« hat nichts (oder wenig) mit Vernunft zu tun. Es ist ein hochemotionales Bedürfnis. Eine Frage des Herzens. Wenn der Kopf verstanden hat, dass sich die Grenzen zwischen zwei Ländern und regionale Produktion nicht widersprechen und dass es manchmal notwendig und für die Umwelt besser ist, lokale Produkte über einen weiten Umweg zum Gast zu schicken, wird auch das Herz sich freuen.”

Die Video-Dokumentation der Berliner Veranstaltung “Ernährungsstrategien für die Stadt” wurde auf Youtube veröffentlicht. Die Veranstaltung wurde von der zivilpolitischen Organisation NAHhaft e.V. in Kooperation mit der Hertie School of Governance organisiert. NAHhaft setzt sich für die Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Ernährungsstrategien in Städten ein.

Warum ist „nachhaltige Ernährung“ ein zukunftsweisendes Thema für Städte? Wie können nachhaltige Ernährungsstrategien für Städte konkret aussehen und welche Akteure sind in der Lage, diese Strategien zu entwickeln und umzusetzen?“

Teilnehmer
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Moderator
Sabine Toepfer-Kataw, Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Justiz, beschreibt auf dem
Petra Mai-Hartung, Geschäftsführerin des Studentenwerks Berlin
Dr. Philipp Stierand, Autor des Buches „Speiseräume“.
Ludolf von Maltzan, Geschäftsführer des Ökodorfes Brodowin
Lukas Paul Fesenfeld, geschäftsführender Vorsitzender NAHhaft e.V.

Speiseräume folgen