Die Doktoranten-Gruppe der AESOP “Sustainable Food Planning Group” veranstaltet vom 23. bis 24. März 2017 einen PhD-Workshop in Berlin. Das Thema der zweitägigen Veranstaltung: “Making, Measuring, and Rethinking Sustainable Food Systems”. Die einleitende Keynote wird Katrin Bohn halten.

“Sustainable food planning is gaining attention and relevanceamong urban planners, landscape architects, policy makersand researchers around the world. As many successfulworldwide approaches have already demonstrated, theintegration of food issues into the policy and planning agendahas the potential to improve urban livelihood, design resilient cities and fulfil multiple social, ecological and economical functions. We think that young professionals and PhDsstudents have a major role to play in such renewal ofplanning practices and thinking.”

Der Workshop ist kostenlos. Weitergehende Informationen per Dropbox-Download: Program | Registration form | Short paper template

Am 11. und 12. September 2017  veranstaltet die Grüne Liga Berlin eine internationale Urban-Farming-Konferenz in Berlin. Die Konferenz will einen fachlichen Austausch zwischen Projekten der urbanen Agrikultur weltweit ermöglichen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Unterstützung der Gärten und Initiativen durch Kommunen und die Anregung kommunaler Partnerschaften zwischen Städten im globalen Süden und in Deutschland.

Call for Paper

Experten und Aktivisten sind herzlich eingeladen, Beiträge für die Konferenz in Berli einzureichen.
Beiträge können zu den folgenden vier Panels der Konferenz eingereicht werden:

  • Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität
  • Klima und Umwelt
  • Recht auf Stadt / Zugang zu Ressourcen / Lokales Wirtschaften
  • Bildung / Empowerment / Qualifizierung

Projektbeiträge mit kommunalpolitischem Bezug – insbesondere zu Partnerschaften zwischen dem Globalen Norden und Globalen Süden – werden besonders berücksichtigt.

Kontakt über urbanfarming@grueneliga-berlin.de

In einem Aufsatz in der GAIA vergleicht Lukas Fesenfeld die Ansätze der Ernährungspolitik in Zürich, München und Nürnberg. Unter die Lupe genommen hat er 13 Stadtratsbeschlüsse zur nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung, die  zwischen 2003 und 2014 verabschiedet wurden. Fesenfeld untersucht die politischen Rahmbedingungen dieser Entscheidungen und diskutiert Unterschiede in Zielsetzung und Umsetzung.

“Based on theory-building process-tracing, I argue that the variation in the degree of adoption and implementation success of long-term policies can be explained by five policy process and design features:
1. deliberative and corporatist governance mechanisms,
2. a high level of central coordination for crosscutting policy implementation,
3. involvement of decision-makers in policy networks,
4. strong use of evidence-based instruments,
5. bundling of short-term and long-term benefits.”

Als Fazit empfiehlt Lukas Fesenfeld u.a. die Einrichtung von Ernährungsräten. Mit ihnen könnten die Maßnahmen im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung in ganzheitliche Ernährungsstrategien eingebunden werden, Wissen ausgetauscht werden und die Unterstützung durch andere Akteuren gesteigert werden. Zusätzlich könnten Ernährungspolitik-Koordinatoren in der Verwaltung die Arbeit im komplexen Ernährungsthema erleichtern und unterstützen.

Artikel: Fesenfeld, Lukas P. (2016) Governing Urban Food Systems in the Long Run: Comparing Best Practices in Sustainable Food Procurement Regulations, GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, Volume 25, Number 4, 2016, pp. 260-270(11). Download bei Nahhaft.

In einem Essay in der Süddeutschen Zeitung beschreibt Silvia Liebrich die sich verhärtenden Fronten in der Auseinandersetzung um die richtige Landwirtschafts- und Ernährungspolitik. Ihre Einschätzung: Das ist gefährlich.

“Die Gegner müssen sich wieder näherkommen und gemeinsam eine Vision für eine Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie entwickeln, die umweltfreundlich und verbrauchergerecht ist, aber Erzeugern gleichzeitig auch ein gutes Auskommen sichert. Diese Herausforderungen sind gewaltig. Aufgabe der Politik ist es, für einen gesellschaftlichen Interessenausgleich zu sorgen und ein Leitbild für die Zukunft der Ernährungswirtschaft zu entwickeln, das dann entschlossen umgesetzt wird. Der Markt allein wird es nicht richten, die Leitplanken muss die Politik setzen, auch mit verbindlichen Regeln und Gesetzen.”

Die Regionalbewegung NRW bietet am 8. Februar in Recklinghausen in Zusammenarbeit mit der Natur- und Umweltschutzakademie eine Veranstaltung zum Thema “Nachhaltige regionale Vermarktung – auch eine Chance für unsere Region?” an.

“Der Aufbau einer nachhaltigen Regionalvermarktung mit für den Verbraucher nachvollziehbaren Qualitätskriterien und Konzepten bietet viele Chancen für die Entwicklung von Regionen, für eine Förderung der Biodiversität vor Ort und für den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe. Der Workshop legt einen Focus auf die Entwicklung von regionalen Vermarktungsstrategien, die im Rahmen förderbarer Aktivitäten in LEADER-Regionen umgesetzt werden können, zeigt aber auch andere Modelle, die förderunabhängig außerhalb von LEADER-Regionen aufgebaut werden können. Das Seminar richtet sich daher an Akteure aus den  LEADER-Regionen aber auch an Interessierte aus anderen Bereichen und Regionen.”
Infoflyer bei der Regionalbewegung

Die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben zusammen mit einigen weiteren Organisationen die wirtschaftlichen Verflechtungen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie analysiert. Entstanden ist ein Bild einer hochkonzentrierten Wirtschaftslandschaft und der mit vielen Grafiken aufgepeppte Konzernatlas.

“Die Produktion von Lebensmitteln hat nur in seltenen Fällen etwas mit bäuerlicher Landwirtschaft, mit traditionellem Handwerk und einer intakten Natur zu tun. Sie ist heute weltweit vor allem ein einträgliches Geschäft von wenigen großen Konzernen, die sich die Felder und Märkte untereinander aufteilen. Und der Trend zur Machtkonzentration geht weiter. Übernahmen wie die von Monsanto durch Bayer oder die Aufteilung der Märkte von Kaisers/Tengelmann zwischen Rewe und Edeka sind nur die Spitze eines Eisberges, zu dem eine problematische Marktmacht und großer politischer Einfluss gehören. Außerdem ist die industrielle Landwirtschaft weltweit für gravierende Klima- und Umweltprobleme verantwortlich.”

Der Konzernatlas
Der Konzernatlas

Spiegel-Online fasst das Einzelhandels-Kapitel des Konzernatlas wie folgt zusammen:

“Immer größer werden neben den Produzenten auch die Verkäufer von Lebensmitteln. Die US-Kette Wal-Mart, die 1962 mit einem Laden in Arkansas begann, steht mittlerweile allein für 6,1 Prozent des globalen Einzelhandelsumsatzes. Damit landet Wal-Mart nicht nur an der Spitze der Lebensmittelhändler, sondern übertrumpft als umsatzstärkstes Unternehmen der Welt sogar Ölkonzerne und Autohersteller. Unter den zehn größten Einzelhändlern sind mit Aldi, Metro und dem Lidl-Mutterkonzern Schwarz auch gleich drei deutsche Unternehmen. Bedenklich ist die Größe ihrer Discounterketten laut Konzernatlas auch deshalb, weil sie Preise drücken können und die Verhandlungsmacht von Landwirten schmälern.”

Die FAZ fragt sich, wie die Welt zu ernähren ist und setzt in einem gut bebilderten Webfeature konventionelle und ökologische Ansätze in den Wettstreit. Bayer Crop Science vs. Felix Prinz zu Löwenstein. Am Ende des Artikels stellt der Autor fest:

“Beim Thema Nahrung wird es eben schnell persönlich. Entsprechend emotional geht es zur Sache. Und das ist wahrscheinlich auch der erste Schritt zu einer Lösung. Es darf nicht mehr nur auf Feldern und in Forschungslaboren über die Zukunft der Landwirtschaft geredet werden. Die Debatte muss überall dort stattfinden, wo Menschen mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Vom Acker leben schließlich alle.”

Dieser Schlußfolgerung können sich die Speiseräume wohl anschließen.

In  einer Studie zeigen Forscher des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), dass bis 2030 weltweit ein massiver Verlust von landwirtschaftlicher Fläche droht. Durch die rasante Expansion der Städte werden etwa 300.000 Quadratkilometer von besonders fruchtbarem Ackerland verloren gehen. Das entspräche nahezu der Größe Deutschlands und 4% der aktuellen Anbaufläche für Nahrungspflanzen.

„Hotspots des Ackerlandverlusts liegen häufig in einem Flussdelta, etwa im Goldenen Dreieck des Jangtse bei Schanghai oder im Perlfluss-Delta bei Hongkong. Regional kann dieser Nahrungsmittelverlust nicht immer ausgeglichen werden. Das wiederrum könnte Auswirkungen auf das Welternährungssystem haben“, sagt Leitautor Bren d’Amour. Dass der Landnutzungskonflikt zwischen Verstädterung und Nahrungsmittelproduktion aber im weltweiten Vergleich deutliche Unterschiede aufweist, zeigt das Beispiel Indien. „Vieles hängt von den individuellen Urbanisierungsdynamiken der Länder ab. In Indien vollzieht sich die Verstädterung beispielsweise langsamer und auf niedrigerem Niveau als in China. Das spiegelt sich in unseren Resultaten wieder, die deutlich geringere Ackerlandverluste prognostizieren. “

Die Forscher sehen eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung bei der Sicherung der Welternährung. Felix Creutzig, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport sagt:

„Politische Entscheider auf kommunaler Ebene sind jetzt am Zug: Stadtplanung ist inzwischen zur Weltpolitik geworden. Die Stadtplaner können dazu beitragen, dass besonders Kleinbauern nicht ihre landwirtschaftliche Lebensgrundlage verlieren. Dazu könnte eine raumeffiziente Urbanisierung beitragen, die vorhandene produktive Landwirtschaft bewahrt, aber auch weiterhin Kleinbauern den Zugang zum städtischen Lebensmittelmarkt ermöglicht.“

Sustainable Food Systems
Sustainable Food Systems

Das aktuell erschienene Buch “Sustainable Food Systems: The Role of the City” von Robert Biel gibt es auf den Seiten des University College London kostenlos zum Download.

“Faced with a global threat to food security, it is perfectly possible that society will respond, not by a dystopian disintegration, but rather by reasserting co-operative traditions. This book, by a leading expert in urban agriculture, offers a genuine solution to today’s global food crisis. By contributing more to feeding themselves, cities can allow breathing space for the rural sector to convert to more organic sustainable approaches. Biel’s approach connects with current debates about agroecology and food sovereignty, asks key questions, and proposes lines of future research. He suggests that today’s food insecurity – manifested in a regime of wildly fluctuating prices – reflects not just temporary stresses in the existing mode of production, but more profoundly the troubled process of generating a new one. He argues that the solution cannot be implemented at a merely technical or political level: the force of change can only be driven by the kind of social movements which are now daring to challenge the existing unsustainable order. Drawing on both his academic research and teaching, and 15 years’ experience as a practicing urban farmer, Biel brings a unique interdisciplinary approach to this key global issue, creating a dialogue between the physical and social sciences”

Unter anderem Spiegel Online berichtete in den letzten Tagen von der Masterarbeit von Sarah Joseph an der Hamburger HafenCity Universität. In der Masterarbeit werden die Flächen-Fußabdrücke verschiedener Ernährungsstile berechnet und über das Hamburger Umland gelegt. Die Regionalwert AG Hamburg schreibt in einer Pressemmitteilung:

“Die Abschlussarbeit zeigt, dass insbesondere der Fleischkonsum sinken muss, damit sich die Bevölkerung im Raum Hamburg vollständig ökologisch und regional versorgen kann. Sarah Joseph: „Fleischerzeugung ist der größte Flächenfresser. Meine Ergebnisse zeigen, dass sich schon mit zwei fleischfreien Tagen pro Woche 92 Prozent der Bevölkerung aus einem Radius von 100 Kilometern rund um Hamburg ernähren lassen. Bei drei bis vier fleischfreien Tagen sind es sogar hundert Prozent.“ Der Fleischkonsum würde am besten durch einen höheren Verzehr an Hülsenfrüchten wie Bohnen und Erbsen kompensiert, so Sarah Joseph. Das entspräche auch den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und helfe, den Böden Stickstoff zuzuführen.”

Als Grenzen der theoretischen Berechnungen sieht Spiegel Online:

“Bevor die regionale und ökologische Versorgung Wirklichkeit werden könnte, müsste sich allerdings einiges ändern: So geht die Studie davon aus, dass 75 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen rund um Hamburg für den ökologischen Anbau von Lebensmitteln genutzt werden – eine derzeit utopische Zahl. Und noch etwas klammert die Studie aus: Wenn sich alle Menschen im Großraum Hamburg regional ökologisch ernähren wollten, müssten sie sich auch vollständig nach dem Angebot richten. Tomaten im Winter gäbe es dann nicht – und das ganze Jahr über müssten die Menschen beispielsweise auf Orangen, Zitronen oder Bananen verzichten.”

Die Speiseräume ergänzen hier noch, dass im und am Rande des 100-km-Radius von Hamburg Menschen wohnen, u. a. in Stätden wie Schwerin, Lübeck, Kiel, Bremerhaven, Bremen. In den theoretischen Annahmen der Studie bleiben für diese Menschen (scheinbar) keine regionale Anbauflächen mehr. Aber immerhin Orangen, Zitronen und Bananen…

 

Speiseräume folgen