Wirklich spannend hört sich die Ankündigung des 8. Umundu-Festivals in Dresden an. Die 10 Tage haben ein dickes Programm mit vielen, vielen Aspekten zur Zukunft (in) der Stadt und zur nachhaltigen Entwicklung – darunter Ernährungs- und Gartenthemen, aber auch viele andere wichtige Themen.

“Auf dem 8. Umundu-Festival möchten wir gemeinsam mit Besuchern, Experten und aktiven Stadtgestaltern urbane Potentiale für eine Transformation zur Nachhaltigkeit diskutieren und in Theorie und Praxis Lösungsansätze suchen, die dazu beitragen können, Städte zu einem lebenswerten Ort zu machen. Im Zentrum soll dabei auch die Frage stehen, welche Rolle eine aktive Zivilgesellschaft als Impulsgeber eines zukunftsfähigen Wandels hierbei spielen kann.”

Die Speiseräume dürfen auch mit dabei sein: Am Sonntag geht es in einem Workshop um kommunale Ernährungspolitik. Parallel dazu läuft ein Vortrag von Anja Fiedler zu “Stadt macht satt” und am Nachmittag ein Workshop zum vertikalen Gärtnern.

Umundu Festival Dresden
Umundu Festival Dresden

Zum Thema Ernährung gibt es folgende Programmpunkte:

  • Vortrag und Workshop am Sonntag, 23.10., 11:00 Uhr:  Food Futures – Ernährungsstrategien für die Stadt. Philipp Stierand (Speiseräume) & Sebastian Kaiser (Gartennetzwerk Dresden).
  • Vortrag am Sonntag, 23.10., 11:00 Uhr: Stadt macht satt – Ernte die Stadt. Anja Fiedler (Stadt-macht-satt)
  • Workshop am Sonntag, 23.10., 13:30 Uhr: Getürmt & eingesackt – vertikales Gärtnern auf engstem Raum. Anja Fiedler & Aino Stratemann (Stadt-macht-satt)
  • Ausstellung 21.-23.10.: Kostbares Stadtgrün –Warum Natur in der Stadt lebenswichtig ist (Gartennetzwerk Dresden)
  • Austellung 20.10.  – 27.11.: Hands-On Urbanism – Vom Recht auf Grün. 1850 bis heute
  • Fishbowl am 26.10., 16:30 Uhr: Stadtgärten – Gestern, Heute, Morgen. Input: Caterina Hildebrand (Deutsches Kleingärtnermuseum Leipzig)
  • Führungen am 27.10., 10:00 Uhr & 17:00 Uhr: Ausgewogene Ernährung für kleines Geld. Empfang & Führung durch die Dresdner Tafeln. Andreas Schönherr (Dresdner Tafel)
  • Pflanzaktion am 29.10., 9:00: Wer heute sät und pflanzt, gestaltet die Zukunft von morgen
    schon jetzt! Kerstin Walther (Landschaftsarchitektin)
  • Radtour am 29.10., 10:15 Uhr: Zur solidarischen Landwirtschaft Schellehof (LebensWurzel e.V. – SoLaWi Schellehof)
  • und noch mehr Workshops und Vorträge im Umundu-Programm.

Im September widmete die New York Times eine Ausgabe ihres Magazins der Ernährung und der Frage “Can Big Food Change?“.  Die Titelstory liefert beeindruckende Bilder (und Videos) aus der industriellen Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung.

Our industrialized food system nourishes more people, at lower cost, than any comparable system in history. It also exerts a terrifyingly massive influence on our health and our environment. Photographer George Steinmetz spent nearly a year traveling the country to capture that system, in all its scope, grandeur and dizzying scale. His photographs are all the more remarkable for the fact that so few large food producers are willing to open themselves to this sort of public view.”

Was bedeutet es eigentlich, wenn Unternehmen für ihr Marketing auf das Image von Wettbewerbern oder Gegenbewegungen zurückgreifen müssen? Auf jeden Fall darf man sich wundern, in welches Umfeld sich die Großen des Lebensmitteleinzelhandels so montieren lassen. Aldi nutzt in seiner aktuellen Werbekampagne u.a. den Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor als Kulisse. Der Berliner Garten distanziert sich jetzt öffentlich und deutlich von der Kampagne.

„Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord greifen in einem Werbespot eine ganze Bewegung an, die sich für vielfältige, gesunde, ökologische und fair produzierte Lebensmittel einsetzt. Sie benutzen dabei ohne unsere Zustimmung den Berliner Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor als Kulisse, um die Botschaft von einer vermeintlich “nutzlosen Vielfalt“ zu verbreiten.  […]

Seit Gründung des Allmende-Kontors stehen wir für eine plurale Stadtgesellschaft, biologische und kulturelle Diversität sowie für Bauernmarkt statt Supermarkt. Bei uns pflanzen Menschen unterschiedlicher Herkunft viele verschiedene Gemüsesorten: bunten Mais aus Brasilien, gelbe Tomaten aus Brandenburg, rote Kartoffeln aus Schweden, lila Bohnen aus Ungarn und vieles mehr. Damit zeigen sie den Reichtum und die Vielfalt des naturnahen Gärtnerns. Die Gärtner*innen des Allmende-Kontors sensibilisieren damit für vielfältige und hochwertige Lebensmittel sowie für eine Landwirtschaft, die die Natur, globale Gerechtigkeit und faire Produktionsbedingungen respektiert. […]“

Allmende-Kontor, Berlin
Allmende-Kontor, Berlin

Der Blog “Yes! We can farm” berichtet über zukunftsweisende landwirtschaftliche Projekte. In diesem Sommer führte Malchus Kern ein langes Gespräch mit Philipp Stierand.

“Der Lebensmittelmarkt wird von den großen Handelsketten dominiert, die die Preise für die Erzeugung der Produkte immer weiter drücken. Die Milch gibt es im Discounter für 45 Cent pro Liter, Möhren für 60 Cent pro Kilogramm. So sieht unsere Lebensmittelversorgung heute meist aus. Doch es gibt auch noch eine andere Seite. Es gibt Menschen wie Dr. Philipp Stierand, die sich für eine andere, dezentralere und kleinstrukurierte Landwirtschaft einsetzen, die jedem zu Gute kommt: unserer Umwelt, den Produzenten, Händlern, Verbrauchern und allen weiteren, die damit zu tun haben.”

Als Podcast lässt sich das Interview direkt auf der Seite von “Yes! We can farm” anhören: Die Ernährnungswende beginnt in der Stadt!

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte ein Essay von Silvia Liebrich, in dem sie den dramatischen Schwund der Artenvielfalt auf dem Teller und dessen Konsequenzen beschreibt.

“Nun gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Die Landwirtschaft muss wieder bunter werden. Gelingen wird das nur, wenn sich der Artenschutz auch für die Erzeuger lohnt. Das Geld dafür wäre vorhanden. Die Landwirtschaft ist einer der größten Subventionsempfänger in der EU, die Mittel müssten nur gezielt eingesetzt werden.

Vor allem aber müssen Politik und Gesetzgeber dem Artenschutz endlich die Bedeutung einräumen, die ihm zusteht. Die genetische Vielfalt der Pflanzenwelt ist ein Erbe, das der ganzen Menschheit zusteht und das nicht in die Verantwortung mächtiger Konzerne gehört. Der Schutz der Vielfalt ist ein wertvolles Gut, das alle etwas angeht.”

Der Berliner Ernährunsgrat hat die Parteien vor der anstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zu ihren Planen für eine zukünftige Ernährungspolitik befragt.

“Immer mehr Bürger*innen halten das gegenwärtige Berliner Ernährungssystem für dringend renovierungsbedürftig. Sie wollen auf lokaler Ebene mitbestimmen, wie unser Essen in Zukunft ökologisch und sozial gerechter produziert und verteilt wird und welchen Stellenwert die Politik solchen Fragen einräumt.”

Podiumsdiskussion zu den Plänen der Parteien soll die öffentliche Debatte über – vorhandenen und fehlende – ernährungspolitische Positionen in den Wahlprogrammen weiter vornagetrieben werden. Am 9. September 2016  von 16-18 Uhr in der Markthalle Neun sind dazu auf dem Podium:

  • Turgut Altug (Bündnis 90/Die GRÜNEN, Sprecher für Natur- und Verbraucherschutz)
  • Sabine Toepfer-Kataw (CDU, Staatssekretärin für Verbraucherschutz)
  • N.N. (Die Linke)
  • Irene Köhne (SPD, Sprecherin für Verbraucherschutz)
  • Moderation: Tanja Busse

Ausgewählte Vorträge der AESOP Sustainable Food Planning Konferenz 2014 im niederländsichen Leeuwardens sind jetzt als Veröffentlichung erschienen. Der Band “Sustainable Urban Agriculture and Food Planning“ ist bei Routledge erschienen.

“The main emphasis is on the latest research and thinking on spatial planning and design, showing how urban agriculture provides opportunities to develop and enhance the spatial quality of urban environments. Chapters address various topics such as a new theoretical model for understanding urban agriculture, how urban agriculture contributes to restoring our connections to nature, and the limitations of the garden city concept to food security. Case studies are included from several European countries, including Bulgaria, France, Germany, Italy, Netherlands, Romania, Spain, Turkey and the UK, as well as Australia, Canada, Cameroon, Ethiopia and the United States (New York and Los Angeles).”

Buch: Rob Roggema (Hg. 2014): Sustainable Urban Agriculture and Food Planning. Oxon.

Mit seinem Food-Truck hat der WDR-Vorkoster Björn Freitag die solidarische Landwirtschaft auf dem Gärtnerhof Entrup im Münsterland besucht. Zum 25-jährigen-Demeter-Jubiläum des Hofes hat Freitag geholfen die Gäste zu bekochen. Der Zuschauer erfährt dabei neben den Rezepten Hintergrundinfos zur solidarischen Landwirtschaft und zum Demeter-Anbau.

“Kundschaft und Betreiber bilden ein Team im Rahmen einer solidarischen Gemeinschaft. Anhand der reellen Kosten wird berechnet, wie teuer ein Ernteanteil sein muss. Beim Gärtnerhof Entrup 119 kostet ein Anteil 145 Euro im Monat. Die Mitglieder erwerben diese Anteile. Mit den regelmäßigen Einkünften deckt der Hof viele Kosten, z.B. für Saatgut, Betriebsmittel, Löhne und Werkstoffe. Die Mitglieder bekommen dafür Gemüse, Käse, Brot und Fleisch – die Menge variiert nach Ertrag. Obst wird nicht an die Mitglieder verteilt. Wenn Äpfel oder Beeren reif sind, dann gibt es ein Rundschreiben und wer möchte, kann zum Selbstpflücken vorbei kommen. Mitglieder haben ein Mitspracherecht bei Entscheidungen rund um den Hof und bekommen wöchentlich frische Lebensmittel vom Hof – in Demeter-Qualität (Link zum Kapitel Demeter). In der Regel ist der Marktwert der Lebensmittel höher als der gezahlte fixe Beitrag.”

Die halbstündige Sendung gibt es in der WDR-Mediathek.

Die Dortmunder Nordstadtblogger portraitieren die Kaffeerösterei “Neues Schwarz”.  Seit März 2015 wird in der südlichen Innenstadt von Dortmund Kaffee geröstet und gebrüht.

“Kaffee wird bei Neues Schwarz nicht konsumiert, sondern zelebriert. Das fängt schon bei der Zubereitung an. Filterkaffee kommt hier nicht aus der Maschine, sondern wird von Hand gebrüht, wie man es vielleicht noch von der Oma kennt. Das „Kännchen” ist bei Neues Schwarz eine schicke Glaskaraffe, die man zusammen mit einem kleinen bauchigen Kaffee-Glas auf einem Holzbrettchen serviert bekommt. Milch und Zucker? Fehlanzeige. „Das wäre so, als ob man Milch in Champagner gießt“, sagt Benedikt mit verschmitztem Grinsen, aber einem Gesichtsausdruck, der es durchaus ernst meint.”

Mit den Speiseräumen gibt es da schon mal zwei Gemeinsamkeiten: die Hood und das Studium. Das mit der Milch aber…

WDR5 sendete ein hörenswertes Radiofeature über den Ernährungsrat Köln und die Food Assembly in Ehrenfeld. Der 20-Minuten-Beitrag lässt sich als Podcast downloaden.

“Seit dem 07.März des Jahres hat Köln einen Ernährungsrat, der erste seiner Art in ganz Deutschland. […] Es ist das erste Gremium dieser Art in Deutschland und wird mit seinen 30 Mitgliedern die Kölner Stadtverwaltung bei ernährungspolitischen Fragen beraten und konkrete Maßnahmen vorschlagen. Die Region um Köln könnte so zu einem Modell für eine neue Ernährungspolitik auf kommunaler Ebene werden. „Neugier genügt“ will diesen Prozess langfristig beobachten und die Frage stellen: wie arbeitet dieses neue, „von unten“ geschaffene politische Gremium, was leistet es, welchen Problemen ist es ausgesetzt?”

Speiseräume folgen