Wie können Kommunen die Gründung und das Wachstum von urbanen Gärten unterstützen? In Großbritannien gab es in den letzten Jahren zwei erfolgreiche kommunale Programme, die sich im Rahmen der kommunalen Ernährungspolitik die Förderung des urbanen Gärtnerns auf die Fahne geschrieben hatten. In London hat das Programm Capital Growth bis zur Olympiade vor zwei Jahren mehr als zweitausendzwölf neue Gärten geschaffen. 100.000 neue Gärtner konnte das Programm gewinnen. In Brighton and Hove hat die Food Partnership vier Jahre lang neue Gärten massiv gefördert. Hier konnten mit dem Programm “Harvest Brighton and Hove” unter anderem 51 neue Gemeinschaftsgärten initiiert werden.
Aus diesen und anderen Programmen (bspw. in Vancouver) lassen sich vier entscheidende Felder für unterstützende Maßnahmen durch die Kommune herausdestillieren:

Urbane Gärtner sind in der Regel Anfänger ohne gärtnerische Vorkenntnisse. Für den Erfolg ihrer Projekte brauchen sie Garten-Know-how.  In Brighton wurden 700 Menschen in 70 Lehrgängen geschult. Unter anderem diente ein Demonstrationsgarten im zentralen Stadtpark als Lernort. Auch in London gab und gibt es ein Trainingsprogramm im eigenen Lehrgarten. Neben Kursen mit gärtnerischen Grundlagen, gibt es gibt es spezielle Kurse für Schulgärten, für Menschen, die ein Garten-Projekt gründen wollen und für Gemeinschaftsgärten, die sich über den Verkauf ihrer Ernte finanzieren wollen.
Bei der Gründung eines Gartens stellen sich nicht nur gärtnerische Herausforderungen, sondern auch juristische und organisatorische. Auch hier können Schulungen helfen. In Brighton hat sich gezeigt, dass viele Projekte erst durch eine intensive und individuelle Beratung zum Erfolg wurden. Ein erster Schritt in der Wissensvermittlung sind Leitfäden, wie sie in Deutschland von Anstiftung und Ertomis oder in England hier angeboten werden.
Eine weitere Zielgruppe für Garten-Know-how sind Wohnungsgesellschaften und Immobilienentwickler.  In Brighton und Vancouver gibt es städtische Leitfäden für die Berücksichtigung von Gemeinschaftsgärten in Wohngebieten. Die Planning Advice Note in Brighton enthält keine neuen Vorschriften sondern soll Bauherren mit Hinweisen und Ratschlägen ermutigen urbane Landwirtschaft in ihre Bauprojekte zu integrieren. Die Richtlinie erklärt Pläne und Leitlinien auf nationaler wie regionaler Ebene mit Bezug zu Grünflächen, Kleingärten und urbanen Lebensmittelanbau. Darüber hinaus gibt sie praktische Hinweise für die Planung. Themen wie Wasserversorgung, Erde, Zugang oder auch Altlasten werden behandelt.

Die Gartengründung beginnt in der Regel mit der Suche nach einem Grundstück und den Verhandlungen um die Erlaubnis zu dessen Nutzung. Nicht nur bei öffentlichen Eigentümern kann die Kommune hier ein wichtiger Unterstützer sein: Entscheider und Gärtner an einen Tisch zu bekommen ist ein erster großer Schritt. Für Brighton wird die Moderation dieser Gespräche sogar als der wichtigste Baustein für die große Zahl der gegründeten Gärten genannt. In London wurde von Capital Growth mit dem Nahverkehrsunternehmen “London Transport” eine generelle Vereinbarung zur Nutzung von Land getroffen, auf die Gartengruppen zurückgreifen können.
Die Vernetzung der Gärtner untereinander spielt in den kommunalen Projekten eine große Rolle: Hier können Praxisfragen auf kurzem Weg diskutiert und gelöst werden. Wie so ein Netzwerk (auch ohne städtische Koordination) funktioniert zeigt bspw. das Netzwerk „Urbanes Grün Köln“.

Jedes Projekt steht früher oder später vor größeren und kleineren Anschaffungen – vor denen auch Kreativität und Recycling nicht mehr schützen. In Brighton gibt es schon lange das kleine Förderprogramm Good Food Grants für Fördersummen bis 800 Pfund. Es schüttete während der vierjährigen Harvest-Phase 45.000 Pfund an 70 Maßnahmen aus. Das Prinzip ist Projekten unbürokratisch mit kleinen Summen bei der Umsetzung von konkreten Plänen zu helfen. Capital Growth in London hat sich auf Sachspenden und die Aushandlung von Rabatten konzentriert.

Das Werben für urbane Landwirtschaft führt nicht nur neue Menschen zum urbanen Gärtnern, das Verbreiten der Nachricht von gelungenen Projekten erleichtert auch die Einrichtung von neuen Gärten, senkt die Widerstände bei anderen Kommunen und Flächeneigentümern. In Großbritannien gibt es beispielsweise jedes Jahr zum Saisonstart der Gärten den „Big Dig“ – den Tag der offenen Tore in den Gemeinschaftsgärten. Aber auch eine gute gemachte Broschüre kann – wie bspw. diese hier in Dublin – ein Anfang sein.

Links
Food Partnership Brighton
Evaluierung Harvest Brighton and Hove: Kurzfassung / Lange Version
Capital Growth
Puplikationen von Capital Growth